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29.06.2017

'Nehmt was ihr kriegen könnt!' - Interview mit Geschäftsführer Ralf Stobbe zu den Ergebnissen der 21. Sozialerhebung

'Nehmt, was ihr kriegen könnt!'
21. Sozialerhebung des DSW / Studentenwerk Gießen ermuntert Studierende, die verfügbaren Leistungen auch in Anspruch zu nehmen

Steigende Mieten, mehr Nebenjobs, höhere Finanzspritzen der Eltern, kaum noch Zeit für die Mensa: Die Ergebnisse der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (www.sozialerhebung.de) deuten auf einen zunehmenden wirtschaftlichen und sozialen Druck hin, der auf Studierenden lastet. Wir haben Ralf Stobbe, den Geschäftsführer des Studentenwerks Gießen, gefragt, wie er die Ergebnisse der Studie bewertet und wie die Lage der Studierenden der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Hochschule Fulda einzuschätzen ist.

„Herr Stobbe, im Durchschnitt stehen den Studierenden rund 918 Euro im Monat zur Verfügung. Davon lässt es sich doch ganz gut leben, oder?“

„Die Studierendenschaft von heute ist vielfältig und pluralistisch, wie unsere Gesellschaft auch. Das zeigt sich exemplarisch bei den Einnahmen. Im Durchschnitt haben die Studierenden zwar 918 Euro im Monat zur Verfügung. Betrachtet man aber die Verteilung, wird schnell klar, dass mehr als ein Viertel mit weniger als 700 Euro monatlich auskommen muss. Zwar werden viele Studierende von ihren Eltern finanziell unterstützt, immer mehr sind aber auch erwerbstätig, um ihren Studienalltag zu finanzieren. In Fulda sind es zum Beispiel 66% der Studierenden, in Gießen 69%. Unstrittig ist, dass der Kostendruck auf die Studierenden insgesamt zunimmt, vor allem im Bereich Wohnen. Die Miete bleibt mit 35% der größte Ausgabeposten.“

„Sie haben die steigenden Mieten angesprochen – ein Problem für die Studierenden?“

„Eindeutig ja. Im Durchschnitt müssen Studierende 323 Euro im Monat für die Miete aufbringen – in Städten wie München, Köln und Frankfurt freilich deutlich mehr, in Gießen mit durchschnittlich 300 Euro etwas weniger. Gerade Studierende aus weniger vermögenden Haushalten sind dringend auf Wohnheimplätze angewiesen – insbesondere dort, wo bezahlbarer Wohnraum knapp ist. Derzeit bietet unsere Wohnheimverwaltung an den Standorten Gießen, Friedberg und Fulda mehr als 3.000 Wohnheimplätze an – der weitere zügige Ausbau ist bereits angestoßen. Auch wer nicht im Wohnheim wohnen kann oder will, erhält im Studentenwerk Unterstützung. Z.B. durch unser Projekt „Netzwerk Wohnen“, das vor jedem Wintersemester intensiv und für Studierende wie Vermieter kostenfrei privaten Wohnraum vermittelt.“

„Welche Rolle spielt BAföG in der Studienfinanzierung?“

„Das durchschnittliche BAföG, das Studierende monatlich erhalten, liegt bei 435 Euro und hat sich gegenüber der Vorgängerstudie kaum verändert (2012: 436 Euro). Was mich allerdings erstaunt, ist, dass nur noch 18% aller Studierenden überhaupt BAföG-Leistungen beziehen – ein Rekordtief! Für die große Mehrheit der Geförderten ist BAföG eine Grundvoraussetzung dafür, überhaupt studieren zu können. Das gilt insbesondere für Studierende der Bildungsherkunft „niedrig“. Da muss es Sorge bereiten, dass 37% der Studierenden aus dieser Herkunftsgruppe, die erst gar keinen BAföG-Antrag stellen, das damit begründen, keine Schulden machen zu wollen. Hier gilt es meiner Ansicht nach Aufklärungsarbeit zu leisten. Angesichts dessen, dass Studierende im Erststudium in der Regel 50% der Leistungen als Zuschuss erhalten und 50% als zinsloses Darlehen, würde ich mir wünschen, dass Studierende sich diese Möglichkeit der Finanzierung doch nicht entgehen lassen. Darüber hinaus ist der BAföG-Darlehensanteil gedeckelt. Selbst dann, wenn jemand z.B. im Verlauf eines Studiums mit hoher Regelstudienzeit insgesamt 50.000 Euro Leistungen erhält, zahlt er max. 10.000 Euro zurück.“

„Schön und gut. Aber BAföG steht immer wieder im Verdacht, kompliziert zu sein…?“

„Ich kann die Studierenden nur ermuntern, sich eingehend durch unsere Abteilung Studienfinanzierung beraten zu lassen. Natürlich gibt es ein Bundesausbildungsförderungsgesetz und wir müssen bei jedem Studierenden die Voraussetzungen und Möglichkeiten individuell prüfen. Aber diese „Zeitinvestition“ lohnt sich. BAföG-Anträge können in Hessen außerdem inzwischen auch online gestellt werden. Das hat zum Beispiel den Vorteil, dass man den Antrag nach und nach bearbeiten und alle Angaben speichern kann. Das erleichtert v.a. bei Wiederholungsanträgen den Aufwand für die Studierenden doch enorm.“

„Kommen wir zu den weicheren Faktoren. Wie beurteilen Studierende denn die Verpflegung in der Mensa?“

„Laut Studie liegt der Anteil derjenigen, die mindestens einmal in der Woche eine Mahlzeit in der Mensa einnehmen bei 73%. Im bundesweiten Durchschnitt gehen die Studierenden 2,8 Mal zum Essen in eine Mensa. Verglichen mit 2012 ist der Anteil der Stammgäste um 5% zurückgegangen, der Anteil der Nichtnutzer stieg um 6%. Als Gründe für die Nichtnutzung geben Studierende vermehrt an, der Lehrplan sei zu straff und ermögliche ihnen nicht genug Pausen. Hier stimmen wir uns mit den Hochschulen über Seminarzeiten ab und erweitern unser Angebot zeitlich, zum Beispiel in der Abendmensa. Um im Bereich Verpflegung einen genaueren Eindruck „unserer“ Gäste vor Ort zu erhalten, werden wir im kommenden Wintersemester wieder eine Kundenbefragung durchführen.“

„Welches Fazit ziehen Sie aus der Studie?“

„Besonders wichtig finde ich den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum. Die Sozialerhebung zeigt schon jetzt auch für Studierende steigende Mieten. Wir haben uns das Ziel gesetzt, zehn Prozent der Studierenden in unseren Wohnungen unterbringen zu können. Da fehlen noch rund 1500 Plätze. Ich würde mir eine Unterstützung des Landes dafür wünschen.
Auch im Bereich BAföG sehe ich Handlungsbedarf auf politischer Ebene. Es gilt zu prüfen, wie ein System, das Ausbildung und Studium ermöglichen soll, aussehen muss, damit es mehr genutzt wird und in seiner Höhe ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Gleichzeitig kann ich Studierende nur ermutigen, die Leistungen, die ihnen schon zur Verfügung stehen, auch in Anspruch zu nehmen. Die Angebote in den Bereichen Wohnen, Beratung, Finanzierung und Verpflegung, die Studentenwerke bundesweit bereithalten, sind vielfältig und von hoher Qualität. Sie können sich eingehend von ihrem jeweils zuständigen Studentenwerk beraten lassen und schauen, was jeweils vor Ort angeboten wird. Liebe Studierende, unsere Türen sind offen. Nehmt, was ihr kriegen könnt!“

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Geschäftsfürher Ralf Stobbe im Interview über die Ergebnisse der 21. Sozialerhebung
Ergebnisse der 21. Sozialerhebung
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